Week 6 Review: Green Bay Packers vs. San Francisco 49ers

The Niner Empire Germany 49ers News, Game Reviews, News, Reviews 2018 Week 6 Review: Green Bay Packers vs. San Francisco 49ers

49ers News Game Reviews News Reviews 2018

Week 6 Review: Green Bay Packers vs. San Francisco 49ers

Posted By Lars Riedenklau

Lange Zeit schnupperten die 49ers an der großen Überraschung im Lambeau Field, doch letztendlich steht die wohl bitterste Niederlage in diesem Jahr zu Buche. Unsere Review lest Ihr hier:

WINNER
  • Marquise Goodwin

Kyle Shanahan hatte für die Offense einen hervorragenden Gameplan ausgearbeitet, dies zeigte sich bereits im ersten Drive der Partie, in dem die 49ers erneut einen Touchdown erzielten und die frühe Führung an sich rissen. Dieser Gameplan beinhaltete viele Plays, die um oder mit WR Marquise Goodwin aufgebaut waren. Insbesondere waren es Play-Action Spielzüge, die das Feld strecken und QB CJ Beathard einiges an Zeit verschaffen sollten. Dies gelang, wenn die 49ers in Ballbesitz waren, hervorragend. Goodwin fing bereits im ersten Drive einen Ball von Beathard und erzielte ein wichtiges First Down. Sein zweiter Catch brachte die 49ers zurück in das Match, denn beim Rückstand von 7:17 lief Goodwin eine tiefe Post-Route, ebenfalls aus einem Play-Action Spielzug heraus. Beathard zögerte nicht lange und legte den Ball punktgenau in die Hände des Speedsters, der keine Probleme hatte seinen ersten Touchdown der Saison (67 Yards) zu erzielen.

Und es kam noch besser: Im 2. Quarter war es erneut Goodwin, der mit einer schön ausgeführten, tiefen Comeback Route seinen Gegenspieler alt aussehen ließ und einen 30 Yards-Touchdown auf das Scoreboard zauberte. Erneut traf Beathard seinen Receiver – die 49ers lagen urplötzlich in Führung, nachdem die Defense Aaron Rodgers immer mehr unter Druck setzen konnte, je näher es in Richtung Halbzeit ging. Goodwin beendete das Spiel mit vier Catches für 126 Yards. Bis zum letzten Pass Beathards fing Goodwin jeden Ball, der in seine Richtung geworfen wurde, dieser letzte Pass landete jedoch in den Armen des Packers CBs Kevin King. Nichtsdestotrotz zeigte das Spiel bei den Packers eindeutig auf, was für einen Unterschied Marquise Goodwins Anwesenheit für die Offense der 49ers ausmacht. Er streckt das Feld wie kein anderer und entkommt seinen Bewachern immer und immer wieder. Goodwin wirkt, wenn er fit ist, als sei er nicht zu stoppen. Hoffen wir, dass sich dieser Trend bestätigt, denn wenn Goodwin diese Performance wiederholen kann, eröffnet dies HC Kyle Shanahan zahlreiche Möglichkeiten im Play-Calling.

  • Running Game

Die Offensive Line der 49ers zeigte bezüglich des Run Blocking erneut eine mehr als gelungene Vorstellung, insgesamt kamen die 49ers auf über 150 Rushing Yards in den gesamten 60 Minuten. Vor allem die Inside Blocker um die Guards Laken Tomlinson und Mike Person, zusammen mit Center Weston Richburg hatten die Defensive Line der Packers im Griff und dominierten diese fast über die gesamte Spielzeit. Matt Breida, der noch sichtlich angeschlagen war, erzielte den ersten Touchdown der Partie mit einem kurzen Run. Er beendete das Spiel mit 61 Yards bei 14 Carries. Das beste Spiel seiner Karriere lieferte RB Raheem Mostert ab, der überraschend für RB Alfred Morris auf dem Feld stand und 87 Yards bei nur zwölf Carries generierte. Die 49ers hatten mit Vorblocker Kyle Juszczyk hauptsächlich Erfolg bei Läufen über außen, dies zog sich durch das gesamte Spiel. Juszczyk unterlief ein folgenschwerer Fumble, nachdem er einen 20 Yards-Pass von CJ Beathard fing, die Packers erzielten ein Field Goal. Erstaunlich war jedoch, dass die 49ers gegen Ende des Spiels nicht mehr an den Erfolg aus den ersten Quartern anknüpften, sondern versuchten, den Ball durch die Mitte zu rennen. Dies funktionierte bei weitem nicht so gut, wie die Outside Zone Plays, die Packers stoppten Breida und Mostert oft bereits hinter der Line of Scrimmage. Insgesamt gehört das Running Game erneut zu den Gewinnern, da sowohl Mostert, als auch Breida eine Menge Last von den Schultern Beathards nehmen konnten, der ebenfalls eine solide Partie ablieferte, bis ihm kurz vor Schluss der letztendlich spielentscheidende Fehler unterlief – die 3. Woche in Folge, in der Beathard ein Spiel mehr oder weniger aus der Hand gegeben hat. Doch diese Niederlage kreide ich nicht Beathard an, sondern seinem Headcoach. Doch dazu später mehr.

  • Defensive Line

Nachdem die Defense von DC Robert Saleh in den ersten Drives der Packers quasi lediglich die Zuschauerrolle einnahm, fing sich die Unit des erst 39-jährigen Ex-Seahawks-Assistant und zeigte eine der stärksten Performances seit langem, ausgenommen vom letzten Drive. Richard Sherman nahm seinen Coach nach dem Spiel in Schutz und gab an, dass in den ersten drei Drives, in denen die 49ers zwei Touchdowns und Field Goal der Packers zuließen, mehrere falsche Calls seitens der Spieler getätigt wurden und es einige Misskommunikationen auf dem Feld gegeben habe. LB Fred Warner nahm eine Teilschuld auf sich und äußerte, er habe einige Calls in seinem Headseit nicht korrekt verstanden und weitergegeben. Vermutlich beflügelt von der starken Leistung der Offense steigerte sich die Defense Drive für Drive und ließ Star QB Aaron Rodgers immer mehr ins Schwitzen kommen. Den Packers gelang in Hälfte eins keine einzige 3. Down-Conversion, sie beendeten das Spiel mit 4/13 Conversions. Großen Anteil hieran hatte die Defensive Line, die gegen den Run bekanntlich wenig zuließ, aber in dieser Woche auch ordentlich Druck auf den Quarterback ausüben konnte. Hervorzuheben ist DE Ronald Blair, der einige Runs bereits im Keim erstickte und Aaron Rodgers mehrfach hitten konnte, kurz vor Ende des Spiels belohnte er sich mit einem Sack. DeForest Buckner und Sheldon Day brachten Rodgers ebenfalls jeweils einmal zu Boden, Buckners zweiter Sack im letzten Drive der Packers wurde durch einen mehr als fragwürdigen Call gegen CB Richard Sherman („Illegal Contact“) negiert, ansonsten wäre das Spiel wohl in die Overtime gegangen. Auch DE Solomon Thomas lieferte eine ordentliche Partie ab, er stoppte einen Reverse-Versuch der Packers mehrere Yards hinter der Line of Scrimmage und setzte Rodgers das ein oder andere Mal unter Druck. Salehs variable Spielweise und Blitzattacken verhalf der Defensive Line dazu, konstant Druck auf Rodgers auszuüben, der nur knapp 60% seiner Pässe an den Mann bringen konnte. Beim Spielstand von 30:23 für die 49ers gelang es der Defense zwei Mal, Rodgers aus der Endzone fernzuhalten, einmal stoppte man die Packers bei einem kurzen 4. Versuch kurz vor der Endzone, kurz darauf stoppte der Sack von Ronald Blair die Bemühen der Packers. Die 49ers schlugen hieraus jedoch kein Kapital und punteten den Ball zurück zu Rodgers und der Packers-Offense, die sich nicht ein drittes Mal bitten ließ und innerhalb der letzten zwei Minuten doch noch den Ausgleich schaffte. Die Defensive Line zeigte, stellvertretend für die gesamte Defense, eine wirklich sehenswerte Vorstellung – dieses Spiel hat nicht die Defense verloren. Hätte man den Ball länger gehalten und Rodgers nicht mehrfach die Chance gegeben, das Spiel zu drehen, hätte man den bereits sichergeglaubten Sieg wohl nach Hause geholt: Zu viele Konjunktive in einem Satz.

  • Disziplin

Die 49ers spielten hart, aber diszipliniert. Im gesamten Spiel ließen sie sich so gut wie nichts zu Schulden kommen, am Ende der Partie standen nur zehn Penalty Yards zu Buche. Doch die letzten fünf Yards gegen Richard Sherman kosteten den 49ers endgültig das Spiel. Insgesamt bleibt aber festzuhalten, dass die zahlreichen Penalties aus den letzten Wochen der Geschichte angehörten und man sich trotz des lauten Publikums keine einfachen Fehler (False Start, Offside) erlaubt hat. Das Team war sehr gut eingestellt und hätte einen Sieg verdient gehabt. Am Ende entschieden – erneut – nur Kleinigkeiten.

LOSER
  • Kyle Shanahan

Kyle, Oh Kyle. Es ist schier unglaublich, wie Shanahan es scheinbar Woche für Woche gelingt, einen derart genialen Gameplan auf die Beine zu stellen, der die 49ers bis zum Ende die Chance haben lässt, Spiele gegen vermeintlich deutlich stärkere Gegner (Chargers, Packers) gewinnen zu können. Doch noch unglaublicher wird es, wenn man sich vor Augen führt, wie Shanahan es letztendlich nicht schafft, die Errungenschaft aus dreieinhalb Quartern über die Zeit zu bringen. Die Offense der 49ers wirkte „sharpe“ und abgezockt, bis das 4. Quarter anbrach. In der ersten Halbzeit erzielte Shanahans Offense, angeführt von einem wie ausgewechselt spielendem CJ Beathard, 24 Punkte und ging mit einer verdienten Führung in die Pause. Die 49ers setzten vor allem auf durchdachte Play-Action Spielzüge, viele Outside-Runs uns insgesamt sehr variables Play-Calling. Die Packers schienen keine Antwort auf die Schachzüge Shanahans zu finden, bis das 4. Quarter anbrach. Beathard, der im 4. Quarter ein Passer Rating von 16,7 hatte, wurde nervös und zögerlich und überwarf bei 3. Down den freistehenden TE George Kittle, statt eines möglichen Touchdowns erzielten die 49ers ein Field Goal und gingen mit 30:23 in Führung. Die Defense der 49ers hielt die Stellung und stoppte die Packers kurz vor der eigenen Endzone, Beathard und der Offense gelang es nicht, einen First Down zu erzielen und der Ball ging postwendend zurück an Aaron Rodgers. Doch auch im zweiten Versuch biss sich Rodgers die Zähne an der 49ers Defense aus, Ronald Blair sorgte mit seinem Sack für einen erneuten Ballbesitz der Offense, die mit einem Field Goal das Spiel hätte beenden können. Doch so kam es bekanntlich nicht: Auf zwei einfallslose Runs durch die Mitte folgte ein Sack von Clay Matthews, und erneut bekam Rodgers die Chance, das Spiel auszugleichen. Diesmal tat er es und immer noch gab es für die 49ers die Chance, als Sieger vom Feld zu gehen. Richie James Jr., der DJ Reed als Kick-Returner ablöse, weil dieser einen Return fumblete, brachte den Ball bis hinter die 30-Yard-Linie und wurde im Anschluss außerhalb des Feldes getackled, sodass die 49ers kurz vor der Mittellinie mit etwas über einer Minute auf der Uhr und drei Timeouts den Ball erhielten. Eine bessere Ausgangsposition hätte es nicht geben können, zumal die Packers keine Timeout mehr zur Verfügung hatten. Beathard fand George Kittle über die Mitte und dieser machte sieben Yards gut. Den 49ers fehlten ca. 15 Yards für ein Field-Goal Versuch des wiedererstarkten Robbie Gould, doch dann nahm das Elend seinen Lauf. Weder bei dem 2., noch bei dem 3. Versuch der 49ers callte Kyle Shanahan ein Run Play, um weitere Zeit von der Uhr zu nehmen, um bei einem möglichen Punt/Ballverlust Aaron Rodgers keine Zeit mehr zu lassen, zu scoren. Er callte zwei Pass Plays: Der erste Wurf von Beathard war incomplete, da er das dritte Mal in der Partie einem Defender an die Hände warf. Der zweite Wurf von Beathard ging tief auf WR Marquise Goodwin, der seinen Gegenspieler geschlagen hatte. Doch Beathard, attackiert von nahezu allen Green Bay Defendern, bekam nicht genug Luft unter den Ball, sodass CB Kevin King ein leichtes Spiel hatte, den Ball zu intercepten. Letztendlich bleiben viele Fragen: Wieso nahm Shanahan nicht weitere Zeit von der Uhr? Wieso callte er vor dem wichtigen 3. Versuch keine Timeout? Wieso gab er seiner Defense, die am Ende von Rodgers seziert wurde, keine kurze Pause, um sich zu sammeln, indem er eine Timeout genommen hätte? Fragen über Fragen, die Erinnerungen an Shanahans Super Bowl Dilemma wach werden lassen. Die 49ers haben unter Shanahan nun zehn Spiele beendet, die mit drei Punkten oder weniger entschieden worden sind. Nur drei davon konnten sie gewinnen. Kyle, Oh Kyle…

  • Turnover

Die dritte Woche in Folge verloren die 49ers das Turnover Battle, am Ende des Spiels gaben die 49ers den Ball drei Mal her, während den Packers kein einziger Ballverlust unterlief. Auch, wenn die Turnover auf den ersten Blick nicht unbedingt entscheidend waren, hätte man ohne diese wohl ebenfalls eine bessere Chance auf den Sieg gehabt. Erst war es Returner DJ Reed, der den Ball nach einem recht langen Return verlor, dann war es FB Kyle Juszczyk, der den Ball nach einem Catch auf Höhe der Mittellinie verlor. Zwei Mal hätten die 49ers, die in der ersten Halbzeit vor allem offensiv heiß gelaufen waren, die Chance gehabt, Punkte zu erzielen. Es kam anders: Am Ende waren es die Packers, die eine gute Field-Position hatten und aus den Turnovern Kapital schlagen konnten. Der letzte Turnover, die Interception Beathards, war letztendlich nicht schlechter, als ein guter Punt. Ärgerlich war jedoch, dass bei einem vorherigen Run, Rodgers keine Zeit mehr für sein Comeback gehabt hätte.

  • Greg Mabin

Ahkello Witherspoon wurde vor der Partie gebenched, auf der Gegenseite von Richard Sherman teilten sich Jimmie Ward und gegen Ende des Spiels Greg Mabin die Snaps. Während Ward einige Male positiv auffiel, war es am Ende der in letzter Zeit viel gelobte Mabin, auf den sich Aaron Rodgers einschoss. Nach Shermans bitterem Penalty suchte Rodgers drei Mal einen Receiver, der von Mabin gecovered wurde an der Außenlinie. Drei Mal ließ Mabin einen Catch zu, drei Mal ließ er seinen Gegner ins Aus entkommen, sodass die Zeit angehalten werden konnte. Zudem ließ Mabin den Catch von Davante Adams zu, der zwei Minuten vor Schluss zum Ausgleich führte. Mabin war in Man Coverage mehr als überfordert gegen den jungen Receiving Corps der Packers. Witherspoon, der damals ein Wunschspieler von Shanahan war, während Lynch lieber den jetzigen Packers CB Kevin King genommen hätte, muss in einem tiefen Leistungsloch stecken, denn Mabin ist wahrlich kein guter Ersatz.

  • Mentalität

Es zieht sich wie ein roter Faden durch die bisherige Headcoaching-Karriere von Kyle Shanahan: Die 49ers sind kurz davor, Football-Spiele zu gewinnen, schaffen es aber letztendlich nicht, den Sieg über die Ziellinie zu bringen. Auch, wenn Shanahan hier einige Fehler begangen hat, hat dies etwas mit der Mentalität des noch jungen Teams zu tun. Viele der Spieler, die derzeit bei den 49ers unter Vertrag stehen, kennen nichts anderes, als zu verlieren. Sie wissen nicht, wie es sich anfühlt, Spiele zu gewinnen. Und wie sollen Spieler, die nicht wissen, wie man gewinnt, selbiges mit Leichtigkeit tun? Am besten, indem sie Glück haben, und merken, wie gut es sich anfühlt, als Sieger vom Platz zu gehen. Doch auch das Glück ist derzeit nicht mit den 49ers – und das geht an die Moral. Man muss hoffen, dass die 49ers auf den starken Leistungen aufbauen können, ohne mental in ein Loch zu fallen. Denn die vielen knappen Niederlagen werden Zweifel aufkommen lassen. Am Coaching, am Spielstil, an sich selbst. Hier muss einiges an Arbeit geleistet werden, damit es zu keinem drastischen Leistungsabfall kommt. Ohne Garoppolo stehen die 49ers unter Shanahan weiterhin bei erst einem Sieg. Wie soll er ihnen vermitteln, dass sie es auch ohne Garoppolo schaffen können, Spiele für sich zu entscheiden, in denen man mindestens gleichwertig ist? Die Praxis zeigt ihnen Woche für Woche das Gegenteil. Ich fühle mich so, als würde ich eine Dauerschleife abspielen. Aber Woche für Woche sind es kleine Dinge, Details, die den 49ers am Ende fehlen, um zu gewinnen. Die Saison ist noch lang und es ist Zeit genug, den Bock umzustoßen und endlich für eine Überraschung zu sorgen. Unter den Lichtern des nationalen Fernsehens haben die 49ers zumindest gezeigt, dass sie ein ernstzunehmender Gegner sind. Doch reicht das? Nächste Woche geht es gegen die Rams – warum nicht?!

Beat the Rams!

Autor: Lars Riedenklau

Written by Lars Riedenklau

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.