Die 49ers-Drafts unter John Lynch in der Analyse

THE Niner Empire Germany E.V. · Draft Analyse (von Chris Pracher)

Draftet John Lynch wirklich so schlecht – oder ist er nur einer unter vielen?

Eine datengestützte Analyse auf Basis von wAV-Statistiken (Pro-Football-Reference, 2017–2025)
Mai 2026·2.312 Picks·32 Teams·9 Draft-Klassen

Einleitung: Das Narrativ und die Zahlen

Es ist mittlerweile ein fester Bestandteil des 49ers-Diskurses: John Lynch kann nicht draften. Jede misslungene First-Round-Pick wird zur Klage, jeder unterdurchschnittliche Pick zur Anklage. Die Diskussion, sowohl in den USA wo Warren Sharp einen langen Artikel zu John Lynchs Drafts geschrieben, als auch in deutschsprachigen Podcasts wie Fokus Football, in dem Experte Valentin Rödiger hart mit Lynch ins Wort ging, läuft meist emotional, selten mit konkreten Zahlen im Gesamtzusammenhang. Diese Analyse soll das ändern.

Für diese Analyse wurden sämtliche 2.312 NFL-Draft-Picks der Jahre 2017 bis 2025 ausgewertet – alle 32 Teams, alle sieben Runden. Die Grundlage: der weighted Approximate Value (wAV) von Pro-Football-Reference, eine der wenigen objektiven Karrierewert-Metriken im American Football, ergänzt durch die quantitative Messung der langfristigen Liga-Zugehörigkeit (Active Roster Data). Das Ergebnis: Die San Francisco 49ers stehen über den Gesamtzeitraum auf Rang 7 von 32 Teams im wAV und sogar auf Rang 2 bei der Anzahl der noch aktiven NFL-Spieler – oberstes Viertel der Liga. Mit klar messbaren Stärken, identifizierbaren Schwächen und einer jüngeren Schwächephase, die strukturell erklärbar ist.

Methodik: wAV und wAVOE

Bevor es in die Zahlen geht, muss erklärt werden, womit die folgenden Abschnitte messen – und warum diese Kennzahl gut für diese Fragestellung geeignet ist, aber auch klare Grenzen hat.

Weighted Approximate Value (wAV): Was ist das?

Der weighted Approximate Value (wAV) ist eine von Doug Drinen bei Pro-Football-Reference entwickelte Kennzahl, die versucht, den Karrierewert eines NFL-Spielers in einer einzigen Zahl auszudrücken – positionsunabhängig und über viele Saisons hinweg. Das klingt einfacher als es ist: Wie vergleicht man den Wert eines dominanten Left Guard mit dem eines Pro-Bowl-Cornerbacks? Wie bewertet man einen verletzungsanfälligen Star gegenüber einem soliden, langjährigen Starter?

Das Konzept dahinter ist der Approximate Value (AV) pro Saison, aus dem der wAV berechnet wird. Die Berechnung folgt einem zweistufigen Ansatz:

  • Saison-AV: Pro-Football-Reference berechnet für jeden Spieler einen jährlichen Wertbeitrag auf Basis von Starts, Snaps, Pro-Bowl-Selektionen, All-Pro-Teams und positionsspezifischen Performance-Indikatoren (z. B. Sacks für Edge Rusher, Receiving Yards für Wide Receiver, Blocks für O-Linemen). Der Wert läuft grob von 0 (kein nennenswerter Beitrag) bis über 19 (Elitesaison, All-Pro-Level).
  • Karriere-Gewichtung: Der wAV ist nicht einfach die Summe aller Saisons – er gewichtet die beste Saison zu 100 %, die zweitbeste zu 95 %, die drittbeste zu 90 % und so weiter. Das macht Sinn: Ein Spieler, der eine Elitesaison hatte und dann abgebaut hat, ist wertvoller als jemand, der zehn mittlere Saisons gespielt hat.

Konkretes Rechenbeispiel: Nick Bosa (SFO, R1 2019, Pick #2)

Saison-AV-Werte (vereinfacht): 2019: 15 • 2021: 19 • 2022: 19 • 2023: 12 • 2024: 9
wAV-Gewichtung: 19 × 1,0 + 19 × 0,95 + 15 × 0,90 + 12 × 0,85 + 9 × 0,80 = ca. 58

Ein Spieler mit AV-Werten von 5, 5, 5, 5, 5 käme nur auf wAV ≈22, obwohl er dieselbe Saison-Summe hat wie jemand mit 10, 7, 5, 0, 3 (wAV ≈18). Spitzen-Saisons zählen mehr.

Was der wAV misst – und was nicht

Der wAV misst Karriere-Impact, nicht Draft-Value für ein bestimmtes Team. Das ist eine wichtige Unterscheidung: Wenn die 49ers einen Spieler draften, der später bei einem anderen Team aufblüht, zählt das trotzdem positiv für das Niners wAV. Das ist bewusst so gewählt: Es geht darum zu beurteilen, ob ein Team gute Spieler erkennt, nicht ob es sie optimal einsetzt. Letzteres ist Coaching, nicht Scouting.

Was wAV gut misst:
• Langfristige Starter-Qualität (mehrere starke Saisons)
• Positionsunabhängiger Karrierewert
• Ob ein Pick „Franchise Impact“ hatteWas wAV nicht misst:
• Scheme Fit – ein Spieler, der im falschen System nie sein Potenzial zeigt, bekommt weniger wAV als er verdient hätte
• Snap Counts vs. Quality: Ein Starter mit 1.000 mittleren Snaps kann mehr wAV bekommen als ein Backup mit 300 Elite-Snaps
• Special Teams (nur teilweise berücksichtigt)

Fazit Methodik:
Der wAV ist wohl die beste kostenlos verfügbare, öffentlich zugängliche Metrik für langfristigen Spielerwert im NFL-Draft. Er ist nicht perfekt, aber besser als jede Alternative. Medial oft genutzte Surrogate wie „Pro-Bowl-Selections“ oder „Starts in Jahr 2″ sind noch anfälliger für Rauschen.

wAV over Expected (wAVOE): Das Herzstück der Analyse

Der größte Schwachpunkt des rohen wAV im Draft-Kontext ist der zeitliche Bias: Ein Spieler aus 2017 hatte acht Jahre Zeit, wAV zu akkumulieren. Ein 2025er Rookie hatte gerade eine Saison. Deshalb kommt der wAVOE (wAV over Expected) – die Differenz zwischen dem tatsächlichen wAV und dem Erwartungswert seines Slots. Dieser Erwartungswert wird berechnet als der empirische Durchschnitt aller anderen Picks derselben Runde im selben Drafter-Jahr.

Damit löst wAVOE das Timing-Problem automatisch: Der Erwartungswert von R2/2020-Picks enthält bereits die Tatsache, dass diese Spieler fünf Jahre Zeit hatten. Ein R2/2025-Pick konkurriert nur mit anderen R2/2025-Picks.

Rechenbeispiel wAVOE: Deebo Samuel

Deebo Samuel (SFO, R2 #36, 2019): wAV = 52
Durchschnitt aller R2-Picks 2019: ca. 22,3
wAVOE Deebo Samuel = +29,7

Ein fiktiver Spieler mit identischem wAV von 52, aber in R4 gedraftet, hätte einen wAVOE von +34 – weil die Erwartung an seinen Slot niedriger war. Der Slot-Kontext zählt.

Definition Hit / Bust in dieser Analyse:

Statt auf den relativen wAVOE-Vergleich innerhalb einer Runde abzustellen – was zu ähnlichen Raten quer durch alle Runden führen würde – wird für die Hit/Bust-Rate ein absoluter Maßstab auf Basis von wAV pro Saison angelegt: Hit = ≥ 5 wAV/Saison – der Spieler produziert dauerhaft auf solidem Starter-Level. Bust = < 1,5 wAV/Saison bei mindestens zwei Saisons Erfahrung, nur Runden 1–4 (in den späten Runden gibt es keine „Busts“, weil dort keine Starter-Erwartung besteht). Dadurch fallen die Raten zwischen den Runden deutlich unterschiedlich aus: In Runde 1 werden 57 % aller Picks zu Hits, in Runde 7 nur 2,6 %. Das entspricht der Football-Realität.

3. Wie schwer Draften wirklich ist

Bevor die 49ers bewertet werden, muss der Kontext gesetzt werden. Die tatsächlichen Hit-Raten über alle 2.312 Picks der letzten neun Jahre sind ernüchternd:

Runde Picks Ø wAV Hit-Rate* Bust-Rate** Einordnung
R1 (1–32) 287 27,1 57,1 % 7,3 % Gut jeder 2. wird Starter
R2 (33–64) 288 17,8 32,3 % 21,2 % Nur jeder 3. schafft Starter-Level
R3 (65–105) 354 13,4 16,9 % 33,1 % Jeder 3. ist Bust
R4 (106–140) 331 9,1 7,6 % 45,6 % Kaum Hits, viele Busts
R5 (141–175) 342 7,5 6,1 % Selten Starter-Level
R6 (176–215) 364 5,0 1,9 % Fast nie ein Hit
R7 (216+) 346 3,5 2,6 % Purdy ist die Ausnahme
Tabelle 1: Liga-weite Hit- und Bust-Raten nach Runde, 2017–2025 (n = 2.312). *Hit = ≥ 5 wAV/Saison. **Bust = < 1,5 wAV/Saison bei ≥ 2 Jahren, nur R1–R4.

Was diese Zahlen zeigen: Selbst in Runde 1 – wo Talent und Scouting-Aufwand am höchsten sind – erreicht nur gut jeder zweite Pick dauerhaftes Starter-Level. Ab Runde 3 sinkt die Hit-Rate auf unter 17 %. In Runde 4 sind fast die Hälfte aller Picks Busts. Die frühen Runden sind kein Garant für Qualität – sie verschieben nur die Wahrscheinlichkeit.

Die Bust-Rate ist dabei besonders interessant: In Runde 1 ist sie mit 7,3 % überraschend niedrig – weil selbst schwächere First-Round-Picks durch physische Überlegenheit oft genug auf dem Feld stehen, um wAV zu akkumulieren. Ab Runde 3 explodiert die Bust-Rate auf über 33 %: Hier verschwinden Spieler nach zwei Jahren von jedem NFL-Roster.

Wer näheres dazu herausfinden will, kann sich gerne an dem KI-Tool bedienen:

🔗 Interaktives Analyse-Tool (Draft-Daten 2017–2025)

Die 49ers im Liga-Vergleich: Gesamtbilanz 2017–2025

Gemessen am Ø wAVOE belegen die 49ers über neun Jahre Rang 7 von 32 – oberes Viertel:

Rang Team Ø wAVOE Ø wAV Hit-Rate Bust-Rate Picks
1 BUF +4,75 15,7 24,3 % 2,9 % 70
2 BAL +2,12 14,3 17,1 % 19,5 % 82
3 NOR +1,95 13,8 22,8 % 12,3 % 57
4 LAR +1,83 10,5 12,0 % 10,8 % 83
5 LAC +1,76 12,8 18,8 % 11,6 % 69
6 KAN +1,72 13,2 19,7 % 14,8 % 61
7 SFO ★ +1,62 12,6 14,3 % 20,8 % 77
8 CHI +1,41 11,8 20,0 % 10,8 % 65
16 GNB −0,24 10,3 16,7 % 10,0 % 90
Liga Ø ±0,00 11,4 15,2 % 15,6 % 72
30 NYJ −2,12 10,2 14,7 % 19,1 % 68
32 LVR −3,37 8,6 12,0 % 21,3 % 75
Tabelle 2: Liga-Ranking nach Ø wAVOE, 2017–2025 (Auszug). ★ = San Francisco 49ers.

Rang 7 ist kein Mittelmäßigkeits-Ergebnis.

Auffällig in der Gesamttabelle: Die Top-Teams sind nicht einfach die Teams mit den meisten Super Bowls in diesem Zeitraum. Kansas City (Rang 6) und San Francisco (Rang 7) sind vertreten – aber auch Los Angeles Chargers (Rang 5), die in dieser Zeit nicht annähernd so erfolgreich waren. Draft-Qualität und Titelgewinn sind korreliert, aber nicht identisch. Free Agency, Coaching, Salary Cap Management und Glück bei Verletzungen spielen mindestens genauso große Rollen.

Ein weiterer wichtiger Kontext: Teams, die viel traden und wenige hochklassige Picks haben (wie die 49ers in Phase 2), sind in dieser Analyse strukturell benachteiligt – jeder Pick, den man nicht hat, ist ein potenzieller Hit, der in der Statistik fehlt.

Phase 12017–2021  ·  Rebuild  ·  Rang 5 von 32

Phase 1 (2017–2021): Lynch als Elite-Drafter

Die ersten fünf Jahre unter Lynch und Shanahan gehören zu den bemerkenswertesten Rebuild-Phasen der jüngeren NFL-Geschichte. Die 49ers belegen für diesen Zeitraum Rang 5 von 32, mit einem wAVOE-Schnitt von +3,25 – und das trotz dreier historisch schlechter First-Round-Picks. Kaum zu glauben was wäre, hätte man 2017 Patrick Mahomes anstatt Solomon Thomas genommen oder in 2016 am vorletzten Spieltag nicht unnötigerweise gegen die Rams gewonnen und so mit dem #1 Pick einen Shot auf Myles Garrett gehabt.

Jahr Runde Pick Spieler Pos wAV wAVOE
2018 R3 #70 Fred Warner LB 82 +57,7
2017 R5 #146 George Kittle TE 60 +46,8
2017 R6 #198 D.J. Jones DT 45 +37,6
2019 R2 #36 Deebo Samuel WR 52 +29,9
2021 R5 #180 Talanoa Hufanga S 29 +21,4
2019 R1 #2 Nick Bosa EDGE 58 +20,7
2019 R5 #148 Dre Greenlaw LB 31 +19,7
2021 R7 #217 Jauan Jennings WR 21 +16,7
2018 R5 #142 D.J. Reed CB 27 +15,1
2017 R1 #31 Reuben Foster LB 8 −33,7
2021 R1 #3 Trey Lance QB 6 −22,3
2017 R1 #3 Solomon Thomas EDGE 21 −20,7
Tabelle 3: Ausgewählte SFO-Picks 2017–2021. Grün = Hits, Rot = Busts.
Rang Team Ø wAVOE Ø wAV Hit-Rate Bust-Rate Picks
1 BUF +7,29 23,1 24,3 % 2,7 % 37
2 NOR +4,81 21,6 20,7 % 10,3 % 29
3 BAL +3,70 20,6 17,8 % 20,0 % 45
4 KAN +3,37 19,0 16,7 % 20,0 % 30
5 SFO ★ +3,25 19,7 22,5 % 27,5 % 40
6 CHI +3,17 17,6 19,4 % 9,7 % 31
Liga Ø ±0,00 15,5 16,5 % 19,5 % ≈42
29 SEA −2,88 12,1 7,1 % 28,6 % 42
32 LVR −5,38 12,0 12,2 % 31,7 % 41
Tabelle 4: Liga-Ranking nach Ø wAVOE, 2017–2021 (Auszug). ★ = San Francisco 49ers.

Was diese Periode auszeichnet, ist die völlig überdurchschnittliche Day-3-Quote: Kittle, DJ Jones, Hufanga, Greenlaw, Reed (der jedoch nie für die 49ers wirklich spielte) – fünf Starter-Qualität-Spieler aus den letzten drei Runden eines einzigen Franchise.

Die R1-Bilanz verhält sich spiegelbildlich: Foster, Thomas und Lance vernichten zusammen mehr als 76 Punkte negativen wAVOE in nur drei Picks. Und trotzdem reicht es für Rang 5 – ein Beleg dafür, wie dominant die übrigen Picks waren.

Warum Shanahan-Teams späte Runden beherrschen

Die überragende Day-3-Bilanz ist kein Zufall. Shanahans System stellt spezifische, aber erlernbare Anforderungen: Outside-Zone-Runner brauchen bestimmte Athletik-Profile, Receiver müssen Route-Precision und Timing über Raw Speed mitbringen, Tight Ends müssen Blocken und Fangen können. Diese Präzision in den Anforderungen ermöglicht es dem Scouting-Department, in späteren Runden Spieler zu identifizieren, die genau für dieses System gebaut sind – auch wenn ihre allgemeine NFL-Athletik nicht Day 1 oder Day 2-würdig ist.

George Kittle wurde unter anderem deshalb spät gedraftet, weil seine Blocking-Fähigkeiten als Inline-TE von anderen Teams nicht benötigt wurden, für Shanahans Run-Heavy-Offense aber zentral ist und mittlerweile von der halben Liga kopiert wird (daneben, dass er am College viel verletzt war und nicht den besten Ruf hatte). Fred Warner war vorher Safety bei BYU, doch wurde aufgrund seiner Spielintelligenz von Robert Saleh und DeMeco Ryans als Mike Linebacker gesehen. Dre Greenlaw war zu langsam für viele Scouting-Boards – aber für Defenses, die Two-Gap-Prinzipien spielen, ideal positioniert. Das ist der Kern des Ansatzes: nicht der beste verfügbare Spieler für die Liga, sondern der richtige Spieler für dieses System.

Kontext Trey Lance: Der Lance-Pick kostete die Niners nicht nur 22,3 wAVOE – er kostete auch die First-Round-Picks 2022 und 2023. Das ist das strukturell wichtigste Erbe, das die nächste Phase prägt. Zum Vergleich: Die Buffalo Bills haben in 2022 und 2023 je zwei First-Round-Picks gehabt. Dieser Unterschied im Pick-Inventar erklärt einen erheblichen Teil der Leistungsdifferenz beider Teams in dieser Periode.
Phase 22022–2025  ·  Competitive Window  ·  Rang 16 von 32

Phase 2 (2022–2025): Absturz oder Kontext?

Die aktuelle Phase wirkt auf den ersten Blick wie ein Qualitätseinbruch: wAVOE-Schnitt −0,15, Rang 16/32 – Liga-Mittel. Dahinter stecken zwei strukturelle Erklärungen.

Strukturproblem 1: Fehlende Premium-Picks im Allgemeinen

Durch den Lance-Trade (2021) und den CMC-Trade (2022) hatten die Niners in 37 Picks dieser Phase nur zwei First-Round-Picks (#31 Pearsall 2024, #11 Williams 2025) – gegenüber einem Liga-Schnitt von etwa vier pro Team.

Strukturproblem 2: Bewusste Roster-Optimierung statt Best Player Available

In den Jahren 2022 und 2023 waren die 49ers ein hochkompetitives Team – zweimal in der NFC Championship, ein Super-Bowl-Auftritt. Mit eingespieltem, hochbezahltem Kader blieb kaum Roster-Platz für Entwicklungsspieler.

Lynch und Shanahan bedienten sich deshalb bewusst einer anderen Draft-Philosophie: gezieltes Besetzen von Roster-Lücken statt konsequentem Best Player Available oder High Ceiling Spieler. Danny Gray sollte die Lücke eines speedy Deep-WR schließen, Tyrion Davis-Price als physischer Runner dienen, Jake Moody als kosteneffizienter Kicker Cap-Raum sparen. Diese Picks waren keine puren Evaluationsfehler, sondern situative Entscheidungen – und sie haben das damals auch offen so kommuniziert:

Shanahan und Lynch in eigenen Worten (2022/2023):

„Beste verfügbare Rolle, nicht bester verfügbarer Spieler“: Lynch und Shanahan betonten in ihren Post-Draft-Pressekonferenzen 2022 und 2023 explizit, dass sie nur Picks tätigen, wenn der Spieler eine klar definierte Rolle im System übernehmen kann – Rotation, Special Teams, Depth oder als zukünftiger Starter. Kein Pick ohne realistische Roster-Chance.

Vet-Argument: Besonders an Positionen mit starken Vets sagten beide explizit: Sie holen niemanden allein wegen seines Talents, wenn er kaum realistische Chancen hat, die etablierten Spieler zu verdrängen – sonst „verschwendet man den Pick“.

Ziel: Jeder Pick soll den 53-Man-Roster schaffen. Shanahan betonte, sie hofften mit jedem Pick, dass der Spieler den Roster hält. Deshalb wählten sie bei späteren Picks oft Day-1-Contributors mit klarer Rolle (Special Teams, Third-DE, Backup-Safety) statt reiner Development-Rookies, die wegen starker Vets sehr wahrscheinlich keinen Roster-Spot bekommen hätten.

In einem Satz: Lynch und Shanahan steuerten ihre Drafts 2022/2023 so, dass sie möglichst Spieler holten, die realistisch eine Rolle bekommen und den Kader halten – statt Talente zu picken, die wegen starker Vets sehr wahrscheinlich keinen Roster-Spot bekommen und gecuttet worden wären.

Dass diese Strategie rückblickend falsch war, liegt auf der Hand und haben Lynch und Shanahan mittlerweile selbst eingeräumt. Die kurzfristige Roster-Logik kam auf Kosten langfristiger Draft-Qualität. Dazu wiegt der Lance-Trade weiter nach.

Jahr Runde Pick Spieler Pos wAV wAVOE
2022 R7 #262 Brock Purdy ★ QB 44 +38,7
2024 R3 #86 Dominick Puni G 15 +10,0
2023 R6 #216 Dee Winters LB 13 +8,8
2022 R4 #134 Spencer Burford G 17 +7,7
2022 R6 #220 Kalia Davis DT 9 +5,0
2024 R7 #251 Tatum Bethune LB 5 +3,6
2024 R1 #31 Ricky Pearsall ● WR 8 −4,9
2025 R1 #11 Mykel Williams ● EDGE 4 −1,6
2022 R2 #61 Drake Jackson EDGE 3 −13,7
2022 R3 #105 Danny Gray WR 0 −10,8
2022 R3 #93 Tyrion Davis-Price RB 1 −9,8
2023 R3 #101 Cameron Latu TE 0 −9,3
● = First-Round-Pick. ★ = Brock Purdy.
Tabelle 5: Ausgewählte SFO-Picks 2022–2025.
Rang Team Ø wAVOE Ø wAV Hit-Rate Bust-Rate Picks
1 LAR +2,64 7,4 18,4 % 5,3 % 38
2 BUF +1,91 7,5 24,2 % 3,0 % 33
3 TAM +1,90 8,8 27,6 % 3,4 % 29
4 HOU +1,19 8,2 25,0 % 8,3 % 36
5 SEA +1,18 7,8 23,7 % 5,3 % 38
Liga Ø ±0,00 6,4 13,5 % 11,2 % ≈33
16 SFO ★ −0,15 4,9 5,4 % 13,5 % 37
30 CLE −1,56 3,9 0,0 % 17,2 % 29
32 MIN −2,42 4,7 10,7 % 14,3 % 28
Tabelle 6: Liga-Ranking nach Ø wAVOE, 2022–2025 (Auszug). ★ = San Francisco 49ers.

Mit Purdy: Rang 16 – Liga-Mittel. Ohne Purdy: Rang 28. Ein historischer Glückstreffer in Runde 7 kaschiert die strukturell schwache Phase, ohne sie zu erklären.

Was die Tabelle auch zeigt: Die Phase 2022–2025 ist für viele Teams eine schwierige Bewertungsperiode. Die Bust-Raten sinken ligaweit, weil viele Picks einfach noch nicht genug Zeit hatten, ihre Karriere in Schwung zu bringen. Die Zahlen für Phase 2 werden sich in drei Jahren anders lesen.

Signal für die Zukunft: Von den 19 Spielern der Klassen 2024 und 2025 sind 18 noch auf dem Roster – ein klares Zeichen dafür, dass die Philosophie geändert wurde. Weg von situativem Roster-Management, hin zu konsequentem Talent-Scouting.

Pearsall und Williams – zu früh bewertet: Beide haben nach einer bzw. zwei Saisons negative wAVOE-Werte – das ist bei First-Round-Rookies die Regel, nicht die Ausnahme. Deebo Samuel hatte nach Jahr 1 kaum Werte – heute steht er bei wAVOE +29,9. Nick Bosa nach Jahr 1 bei +8 OE, nach neun Jahren bei +20,7.


Runden-Analyse: Stärken und Schwächen im Liga-Vergleich

Die präziseste Möglichkeit, Lynchs Draft-Profil zu verstehen, ist der Vergleich auf Runden-Ebene – getrennt nach Zeitraum. Die Δ OE-Spalte zeigt, um wie viele Punkte die 49ers den Liga-Schnitt über- oder unterschreiten. Positiv = 49ers besser, negativ = schlechter.

Gesamtzeitraum 2017–2025

Rde n SFO Ø wAV SFO Ø OE SFO Hit-% Liga Ø wAV Liga Ø OE Liga Hit-% Δ OE
R1 9 24,1 −6,47 33,3 % 27,1 0,00 57,1 % −6,47
R2 6 17,0 +1,08 33,3 % 17,8 0,00 32,3 % +1,08
R3 15 11,1 −1,97 13,3 % 13,4 0,00 16,9 % −1,97
R4 9 5,8 −1,79 0,0 % 9,1 0,00 7,6 % −1,79
R5 13 17,2 +9,51 15,4 % 7,5 0,00 6,1 % +9,51
R6 13 8,8 +3,14 7,7 % 5,0 0,00 1,9 % +3,14
R7 12 8,0 +4,77 8,3 % 3,5 0,00 2,6 % +4,77
Tabelle 7: SFO vs. Liga nach Runde, 2017–2025 (n SFO = 77 Picks). Δ OE positiv = über Liga-Schnitt.

Phase 1: Rebuild-Phase 2017–2021

Rde n SFO Ø wAV SFO Ø OE SFO Hit-% Liga Ø wAV Liga Ø OE Liga Hit-% Δ OE
R1 7 29,3 −7,38 42,9 % 36,8 0,00 51,9 % −7,39
R2 3 29,7 +7,28 66,7 % 23,9 0,00 27,5 % +7,28
R3 7 18,7 −0,83 14,3 % 18,5 0,00 16,5 % −0,83
R4 3 7,0 −6,33 0,0 % 11,9 0,00 5,8 % −6,34
R5 8 26,2 +16,36 25,0 % 10,2 0,00 4,3 % +16,36
R6 8 11,1 +4,27 12,5 % 6,9 0,00 3,0 % +4,26
R7 4 10,8 +4,95 0,0 % 4,5 0,00 1,6 % +4,94
Tabelle 8: SFO vs. Liga nach Runde, 2017–2021 (n SFO = 40 Picks).

Phase 2: Competitive Window 2022–2025

Rde n SFO Ø wAV SFO Ø OE SFO Hit-% Liga Ø wAV Liga Ø OE Liga Hit-% Δ OE
R1 2 6,0 −3,25 0,0 % 15,0 0,00 63,8 % −3,25
R2 3 4,3 −5,13 0,0 % 10,1 0,00 38,3 % −5,13
R3 8 4,4 −2,96 12,5 % 6,9 0,00 17,5 % −2,96
R4 6 5,2 +0,48 0,0 % 5,5 0,00 9,9 % +0,48
R5 5 2,8 −1,44 0,0 % 4,4 0,00 8,3 % −1,44
R6 5 5,0 +1,34 0,0 % 2,7 0,00 0,6 % +1,34
R7 8 6,6 +4,68 12,5 % 2,4 0,00 3,7 % +4,68
Tabelle 9: SFO vs. Liga nach Runde, 2022–2025 (n SFO = 37). Hinweis: R7-Wert durch Brock Purdy (+38,7 OE) stark positiv verzerrt.
  • Runde 1 – systematische Schwäche in allen Perioden (−6,47 / −7,38 / −3,25 OE): Drei unterschiedliche Epochen, gleiche Tendenz. Die First-Round-Evaluation ist die Achillesferse.
  • Runde 5 – absolute Ligastärke in der Rebuild-Phase (+16,36 OE): In der Competitive Window abgeschwächt (−1,44) durch weniger Picks und fehlende Late-Round-Ressourcen.
  • Runde 7 – konstant positiv in allen Perioden (+4,95 / +4,68 / +4,77 OE): Die einzige Runde, in der die Niners durchgängig über Liga-Schnitt liegt. Purdy ist Ausnahme, aber auch ohne ihn wäre R7 positiv.

Ein aufschlussreiches Detail: Runde 7 ist die einzige Runde, in der die Niners über alle drei Perioden positiv bleiben. Das spiegelt eine Besonderheit des Shanahan-Systems: Sehr späte Picks können in diesem Scheme überproportional großen Einfluss haben, wenn sie das richtige Athletik-Profil haben.

Die Round-1-Schwäche über alle Perioden ist dagegen das bleibende Fragezeichen. Es gibt verschiedene Erklärungsansätze: Erstens haben die 49ers statistisch Pech gehabt (Foster, Lance – beide Character-Risks, die sich materialisiert haben). Zweitens könnte das System Top-Talente mit hohem Athletik-Profil überbewerten, die letztlich nicht das „Football-IQ-Profil“ haben, das Shanahans komplexe Offense verlangt. Drittens ist die Stichprobe klein – neun R1-Picks in neun Jahren, von denen drei katastrophal waren.


Exkurs: OTC-Metriken, Roster Retention & die Definition von Draft-Value

Neben der wAV-Metrik, die stark auf Karriereauszeichnungen und Auswertungen basiert, lohnt sich ein Blick auf das objektive Bewertungsmodell der Cap-Spezialisten von Over The Cap (OTC). Für den Zeitraum 2017–2025 zieht die Rookie Class Evaluation von OTC zwei primäre Metriken heran, um den Erfolg eines Front Offices systematisch zu messen:

  • Metric #1: Snap Counts und der Snap Index
    Hierbei wird gemessen, wie viele Snaps ein Rookie in seinen ersten vier angerechneten Saisons („accrued seasons“) für das Team spielt, das ihn gedraftet (oder als UDFA verpflichtet) hat. Je mehr Snaps durch günstige Rookie-Verträge abgedeckt werden, desto mehr Cap Space bleibt für etablierte Superstars. Zwar bauen die neuesten Jahrgänge (2023–2025) ihren 4-Jahres-Wert aktuell erst noch auf, aber diejenigen, die früh auf dem Feld stehen (wie Ji’Ayir Brown oder Dominick Puni), treiben den Index schon jetzt nach oben. Hier waren die Niners bis zum Trey Lance Draft sogar die Nr. 1 der Liga, sind dann im Wirkungszeitraum des Lance-Trades (2021–2023) auf Platz 25 zurückgefallen, nun jedoch die letzten beiden Jahre wieder auf Platz 5.
  • Metric #2: Vested Veteran Contracts (Zweitverträge) & Roster Retention
    Die absolute Königsdisziplin der Draft-Evaluation. Die überwiegende Mehrheit der NFL-Spieler erreicht nie einen sogenannten „Vested Veteran Contract“ (einen neuen Vertrag nach Ablauf der vierjährigen Rookie-Zeit). Ein direkter messbarer Proxy für diese Qualitäts-Metrik ist die Roster Retention: Wie viele der gedrafteten Spieler stehen noch nach ihrem Rookie-Deal weiter in einem NFL-Kader?

Die konkreten Zahlen (2017–2023): 49ers auf Rang 2

Die Daten belegen diese Qualität eindrucksvoll. Zählt man die Spieler aus den Draft-Jahrgängen 2017 bis 2023, die sich nach ihrem Rookie-Vertrag erfolgreich in einem aktiven NFL-Roster gehalten haben (ob in San Francisco oder anderswo), gehören die 49ers zur absoluten Elite:

Rang Team Aktive Spieler (Drafts ’17–’23)
1 Baltimore Ravens 53
2 San Francisco 49ers 45
3 Dallas Cowboys 43
3 Minnesota Vikings 43
5 Indianapolis Colts 42
32 Pittsburgh Steelers 25

Die 49ers glänzen in dieser Metrik ligaweit auf Platz 2. Spieler wie Kittle, Warner, Samuel oder Greenlaw beweisen, dass John Lynch und sein Team echtes Talent früh erkennen und langfristig binden. Lediglich die Ravens (53) stehen durch ihr immens hohes Pick-Volumen („Compensatory Picks“) noch vor ihnen.

🔗 Interaktives Tool: Roster Retention & OTC-Metriken

Stimmen aus der Liga: John Lynch und der wahre „Draft Value“

Zahlen sind das eine, die Wahrnehmung von Experten das andere. In der The Athletic Football Show wurde die Rolle von John Lynch als GM sowie die Definition von „Value“ im Draft kürzlich intensiv diskutiert. Die Aussagen der Experten fassen das Phänomen 49ers perfekt zusammen:

„I think very highly of the 49ers organizationally just in general, like their whole operation is very enviable to me, but clearly they’re not infallible… the Trey Lance thing is one of the most horrendous decisions in recent memory. […] It’s also kind of impressive that you could screw up that badly and still have a generally favorable reputation, which I think they do and they deserve.“

The Athletic Football Show

Dieses Zitat trifft den absoluten Kern der Lynch-Kritik: Der Pick von Trey Lance war ein massiver Fehlschlag. Doch die Arbeit des Front Offices ist insgesamt so extrem stark (siehe OTC Metrik #2), dass die Reputation der 49ers in der Liga unangetastet bleibt. Ein einzelner (wenn auch teurer) Fehler definiert eben nicht die gesamte, ansonsten exzellente Arbeit eines General Managers.

Und was bedeutet echter Value beim Draften wirklich? Im selben Podcast diskutierte Robert Mays den Ansatz, wie Top-Teams überhaupt „Value“ generieren – nämlich oft schlichtweg durch das Ansammeln von Picks (z.B. durch das Compensatory-Pick-System):

„Give yourself as many bites at the apple as humanly possible. I always want to be making more draft picks than anybody else… and I’ll take my chances that I’m eventually right.“

– Robert Mays, The Athletic Football Show

Genau hier liegt der wichtigste Kontext für den Zeitraum nach 2021: Während andere Elite-Teams über die schiere Masse an vor allem an frühen Picks erfolgreich blieben („bites at the apple“), mussten die 49ers – wegen der teuren Trades für Lance und McCaffrey – mit deutlich weniger hochklassiger Munition auskommen. Dass sie in den OTC-Metriken über den Zeitraum 2017–2025 dennoch derart stabil dastehen, beweist, dass John Lynch und sein Scouting-Team aus den verbliebenen, wenigen Chancen überdurchschnittlich oft Kapital geschlagen haben.

Fazit zur Roster-Metrik: Ob man nach Qualität/Impact (wAV) oder reiner Langlebigkeit (Aktive NFL-Spieler) misst – das Ergebnis ist dasselbe. Die Zahlen widerlegen das Narrativ des „schlechten Drafters“ fundamental.


Fazit: Differenziert beurteilen, statt pauschal verdammen

Draftet John Lynch wirklich so schlecht? Die Antwort der Daten ist: Nein – aber das Bild ist nuancierter als ein einfaches Ja oder Nein.

Was die Zahlen klar belegen

  • Oberes Viertel der Liga (Rang 7/32, 2017–2025). 77 Picks, Ø wAVOE +1,62 – besser als 25 andere Franchises, trotz drei katastrophaler First-Round-Picks inkl. überteuertem Lance-Trade.
  • Day-3-Scouting auf Ligaspitzenniveau. R5-Schnitt von +9,51 OE im Gesamtzeitraum; in der Rebuild-Phase +16,36 OE – ligaweit einmalig. Kittle, Purdy, DJ Jones, Hufanga, Greenlaw, Jennings: das ist System, keine Glücksserie.
  • Der Draft ist grundlegend schwer – für alle. Selbst der beste Drafter der Liga (BUF) bringt nur 24 % seiner Picks auf dauerhaftes Starter-Level. Wer „jeden Draft gewinnen“ erwartet, versteht das Geschäft nicht.

Wo berechtigte Kritik greift

  • Runde 1 als systematische Schwäche. Ø wAVOE −6,47 über neun Jahre, in allen drei Perioden negativ. Solomon Thomas, Reuben Foster und Trey Lance sind keine Pechfälle, sondern Evaluationsfehler. Echtes Verbesserungspotenzial.
  • Competitive Window strukturell schwach. Gezielte Roster-Optimierung statt BPA, fehlendes Pick-Inventar und in 2022 und 2023 echte Scouting-Fehler (Jackson, Davis-Price, Gray, Latu). Mit Purdy Liga-Mittel, ohne Purdy near-bottom.

Gibt es Hoffnung – und ist sie berechtigt?

Ja. 18 von 19 Spielern der Klassen 2024 und 2025 sind noch auf dem Roster. Mit der Klasse 2026 signalisiert Lynch, dass er aus den Fehlern lernen will: acht Picks, konsequentes Talent-Scouting – kein einziger reiner Roster-Fill, auch wenn der RB-Pick in Runde 3 weiterhin größtenteils unverständlich ist. Sei es wegen der Position insgesamt, wegen dem schlechten Track-Record oder wegen dem bestehenden vollen RB-Room.

Jahr Runde Pick Spieler Pos Profil
2026 R2 #33 De’Zhaun Stribling WR Athletischer Allround WR
2026 R3 #70 Romello Height EDGE Disruptiver Rusher (DPR)
2026 R3 #90 Kaelon Black RB Explosiver Speed-Back
2026 R4 #107 Gracen Halton DT Interior Pass-Rusher
2026 R4 #127 Carver Willis OL Guard/Tackle-Hybrid (ggf. Center)
2026 R4 #139 Ephesians Prysock CB Athletischer, großer Corner
2026 R5 #154 Jaden Dugger LB All-Sun-Belt, 125 Tackles
2026 R6 #179 Enrique Cruz OT Athletischer Tackle
Tabelle 10: SFO Draft-Klasse 2026.

Zyklen sind normal – auch für gute GMs:

Seattle Seahawks (John Schneider): 2017–2021 Rang 29 (−2,88 OE), 45 % Bust-Rate. Seit 2022 Rang 5 (+1,18 OE). Gleiche Organisation, deutlich bessere Ergebnisse.

Green Bay Packers (Brian Gutekunst): 2017–2021 Rang 21 (−1,15 OE). Seit 2022 Rang 7 (+0,75 OE). Kein Neuanfang – der Zyklus hat sich gedreht.

Schlechte Phasen gehören dazu. Sie sind kein Qualitätsurteil über ein Front Office.

Das Gesamtbild

Lynch und Shanahan haben mit dem vorhandenen Capital eines der kompetitivsten Teams der letzten Dekade aufgebaut: zwei Super-Bowl-Auftritte, ein NFC-West-Titel, regelmäßige Playoff-Präsenz. Zu unterscheiden sind dabei die Aufbauphase nach Übernahme durch Shanahan/Lynch (2017–2020) und dann die All-In-Phase inkl. teurem QB-Trade (2021–2023), die sich bis heute auswirkt. Der Draft ist ein Teil dieser Geschichte. Manche – wie der Autor – behaupten auch, dass der Einfluss des Drafts aufgrund der medialen Aufmerksamkeit deutlich überschätzt wird. Free Agency, Trades, Cap Management und Spielerentwicklung sind die anderen. Verbesserungspotenzial besteht, Hoffnung ist berechtigt – und Panik ist, wie so oft im NFL-Diskurs, schlecht mit den Daten vereinbar.

Differenzierung statt Verdammung – das wäre ein Anfang.
The Niner Empire Germany e.V.  ·  Analyse von Chris Pracher  ·  Mai 2026
Datenbasis: Pro-Football-Reference (wAV), Over The Cap (Roster Retention)  ·  n = 2.312 Picks, 2017–2025
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